Der Spiegelsee - das Portal für die Kinder (Buchauszug)
Der Ruf
"Spiegelsee, so still und klar, zeig mir, wer ich wirklich war.
In deinem Licht, so tief und weich,
wird meine Seele wieder reich.
Ein Tropfen Licht, ein leiser Ton -
du rufst mich heim, ich komme schon,"
Der Spiegelsee sprach zu den Kindern aus der realen Welt
Die Kinder standen am Ufer. Manche mit offenen Augen, manche mit geschlossenen Herzen. Sie hatten Fragen über Fragen, die sie nicht aussprachen. Und Hoffnungen, die sie längst vergessen hatten. Da begann der See zu flüstern. Nicht laut, nicht direkt – und doch hörte ein jeder ihn auf seine Weise.
„Ihr seid nicht zu klein für die Welt. Die Welt ist manchmal nur zu laut für euch.“
Der See zeigte Bilder – keine Fantasien, sondern Erinnerungen, die noch nicht gelebt wurden:
· Ein Kind, das allein auf dem Schulhof stand, aber ein ganzes Universum in sich trug.
· Ein Mädchen, das nicht sprach, weil ihre Sprache aus Farben bestand und nicht aus Worten.
· Ein Junge, der wütend war, weil niemand seine Sehnsucht erkannte.
„Ihr seid Träger des Lichts, nicht Träger von Erwartungen.“
Und der See sprach zu ihnen von der echten Welt – der Welt, in der Kinder oft noch funktionieren müssen, statt zu fließen. Er zeigte ihnen, wie Erwachsene so manches Mal vergessen, dass jedes Kind ein Lied ist und kein Projekt. Weiter sagte er:
„Wenn ihr euch erinnert, wer ihr seid, beginnt die Welt sich zu erinnern,
was sie sein kann.“
Und dann geschah etwas Seltenes: Die Kinder sahen sich selbst im Wasser. Nicht wie sie aussahen, sondern wie sie leuchteten. Ja, sie sahen ihre Wut – und darunter ihr wahres Sein, ihre eigene Wahrheit. Sie sahen ihre Ängste – und darunter ihre Kraft. Sie sahen ihre Träume – und darunter ihre Aufgabe. Dann wurde der Spiegelsee still. Die Kinder jedoch waren es nicht mehr! Sie gingen zurück in die echte Welt, jedoch nicht als Schüler und nicht als Kinder, sondern, als Erinnerer für die Welt der Erwachsenen, die alles vergessen hatten. Und überall, dort, wohin sie gingen, begann die Welt zu flüstern: „Ich kenne dich. Ich habe dich vermisst.“ Und jedes Mal, wenn sie den sprechenden Spiegelsee besuchten, legten sie etwas hinein: kleine Steine, auch kleine Wünsche und natürlich auch LEG NA SETH – das Licht, das sie in sich trugen, ohne es zu wissen.
Der See begann nach innen zu leuchten. Das Licht verband sich mit dem Wasser und das Wasser verband sich mit der Erde. Tief unter den Wurzeln, unter den vergessenen Liedern der Berge, unter den schlafenden Träumen der Tiere, begann es langsam zu glühen.